Hausärztliches Informationsmanagement

 

Bis hierher konnte der Eindruck entstehen, dass sich unser Informationsmanagement nur im Internet abspiele. Im digitalen Zeitalter sind andere Quellen jedoch mindestens genauso wichtig. Da ist zuallererst das kollegiale Gespräch zu nennen, wie es sich zufällig oder auf eine gezielte Frage hin ergibt, zu zweit oder im Qualitätszirkel. Wir kennen die Stärken und Schwerpunkte unserer Kollegen und haben auch ein Gefühl dafür, wem wir vertrauen können. Andererseits wissen wir, dass (Selbst-)Täuschung und Irrtum allgegenwärtig sind, so dass die in diesem Heft behandelten Quellen eine gute Ergänzung sind.
Viele von uns haben – mehr oder wenige aktuelle – Lehrbücher der wichtigsten Fachgebiete im Regal stehen. Wir lesen regelmäßig Zeitschriften und besuchen Fortbildungs-Veranstaltungen. All diese Medien, die wir im Rahmen unseres persönlichen Informationsmanagements benutzen, mögen durch elektronische Möglichkeiten ein wenig relativiert werden, haben aber sicher auch in Zukunft ihren Stellenwert.

 

Von Mietmäulern, Streuzeitschriften und anderen Formen der Landschaftspflege

 

Wir wollen zum Schluss doch einmal aufs Geld zu sprechen kommen.
Viele Kolleginnen und Kollegen machen sich nicht klar, in welchem Maße die ärztliche Informationslandschaft von kommerziellen Interessen beeinflusst ist. Erinnern Sie sich an den Menüpunkt „Weg des Wissens“? Natürlich sind wir Menschen mit wenig Zeit froh, wenn „Fakten“ aus Beobachtungen bzw. Studien mundgerecht und leicht verdaulich aufbereitet werden. Aber wer bereitet auf? Und aus welchen Motiven?

Streuzeitschriften

Denken Sie an die verschiedenen Zeitschriften oder Zeitungen, die kostenlos in unsere Praxen kommen. Kaum jemand bezahlt sein Abonnement von „Arzt und Wirtschaft“ oder der „Ärztezeitung“. Diese so genannten Streuzeitschriften finanzieren sich fast ausschließlich über Anzeigen. Eine solche Finanzbasis wirkt sich leise schleichend auf die Tendenz im redaktionellen Teil aus. Diese Zeitschriften können sich eine kritische Berichterstattung z.B. über ein gerade neu eingeführtes Medikament gar nicht leisten, da Inserenten vergrätzt werden könnten. Streuzeitschriften sind auch potentiell erpressbar, indem sie von Firmen bzw. deren Strohmännern geschriebene Artikel veröffentlichen müssen, damit eine Anzeige ge-schaltet wird. Achten Sie bei der Lektüre (wenn Sie überhaupt hinein schauen) darauf, ob einem Arti-kel eine Anzeige direkt benachbart ist, die ein thematisch darauf bezogenes Medikament anpreist. Dies sind meist keine Zufälle, dahinter steckt oft ein „Deal“.
Der Artikel selbst ist in aller Regel von einem „Mietmaul“ geschrieben. Damit bezeichnen wir Kollegen, meist Wissenschaftler oder Chefärzte, die mit der Industrie verbunden sind und zur Beeinflussung der Fachöffentlichkeit eingesetzt werden. Sie alle kennen den klassischen Auftritt des Mietmauls:
Aus Anlass eines Satellitensymposiums beim 27. Deutschen Kongress für Obskurologie wies Professor X darauf hin, dass die chronische Kryptopathie in der Praxis immer noch zu selten diagnostiziert wird. Dabei steht mit Luminette® eine hochwirksame und gut verträgliche Behandlung zur Verfügung. „Die Erfolge sind in der Tat verblüffend“, betonte der bekannte Wissenschaftler, Leiter der Abteilung für Obskurologie an der Medizinischen Hochschule …
Dazu ein Foto des Kollegen, und da dieser in der Regel habilitiert ist, spricht man auch von „habilitierten Pharmareferenten“. All dies hat natürlich mit Wissenschaft nichts, mit Marketing aber sehr viel zu tun. Es sind direkt und indirekt (Drittmittel für Forschung, Reisen, Vortragshonorare usw.) bezahlte Äußerungen, die wir entsprechend kritisch nehmen sollten.

 

Meinungsbildner

Das Problem ist, dass ein großer Teil unserer Informations- und Fortbildungs-Landschaft in dieser Weise manipuliert wird. Auch Fortbildungsvorträge kommen mit Firmenunterstützung zu Stande. Kongresse sind von Sponsoren abhängig, die dafür Werbestände, Anzeigen im Programm und Satellitensymposien erhalten. Manche „Fachgesellschaften“ werden direkt oder indirekt von der Industrie finanziert, und das wirkt sich auf die Äußerungen aus. Dazu kommen Pharmareferenten, die gezielte Bearbeitung von Facharztpraxen und Krankenhausabteilungen (Entlassungsmedikation) sowie der zunehmende Einfluss der Industrie auf Patientenverbände.
All dies hat natürlich Auswirkungen auf den „Weg des Wissens“. Sie können sich vorstellen, dass bestimmte Nachrichten sehr schnell und wirksam ihren Weg zum Endverbraucher (zu uns) finden. Kritische Informationen, z.B. eine Studie, die keine Überlegenheit eines neuen Präparats finden konnte, kommen nicht in die Hochglanzbroschüren und Streuzeitschriften, die uns ungefragt zugeschickt werden.

 

Informationsfallen und ein Ausweg

Wir kommen aus dieser Informationsfalle nur heraus, wenn wir aktiv unsere eigene Wissenspflege betreiben. Wer lediglich die Streuzeitschriften liest, die andere ihm in die Praxis schicken, ist schon ein passives Opfer der oben beschriebenen Mechanismen. Zu einem aktiven Herangehen möchte Ihnen dieses Heft eine Hilfe sein. Es muss allerdings gesagt werden, dass es nicht ohne Geld geht. Wer nicht bereit ist, ein Zeitschriften-Abonnement zu bezahlen, ist eben auf anzeigenfinanzierte Blätter angewiesen; gewisse Dinge wird er deshalb nie erfahren. Mit anderen Worten: unsere Informationsquellen bezahlen wir in jedem Fall; wenn nicht mit unserem Geld, dann mit einer Tendenz bis hin zur Fehl- und Falschinformation.

 

Fragen ernst nehmen

Was ist die Quintessenz? Wir hatten mit den Fragen begonnen, die sich in der Praxis, durch Lektüre oder beim kollegialen Gespräch ergeben. Wie wir mit diesen Fragen umgehen, darauf kommt es an. Die Kapazität unseres Internetanschlusses ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass wir unsere eigenen Fragen ernst nehmen und weiter verfolgen. Wenn wir die eigentliche Botschaft zu einem Satz zusammenfassen: Auf Ihrem Schreibtisch in der Praxis liegt immer ein leerer Zettel. Wenn irgendetwas unklar ist, notieren Sie ein Stichwort, auch das Datum und den Namen des Patienten. Vielleicht ergibt es sich, dass Sie bei Gelegenheit eine „suchtaugliche Frage“ formulieren, und der Rest kommt dann geradezu von selbst …

 
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